Labor Dr. Tiran
JOURNAL
Stille Entzündungen verstehen und vermeiden
Silent Inflammation - unterschwellig und unterschätzt
Die Entzündung ist eine natürliche und lebensnotwendige Abwehrreaktion unseres Körpers auf Reize wie Verletzungen, Krankheitserreger oder Schadstoffe. Diese Reaktion aktiviert das Immunsystem, um die schädlichen Einflüsse zu bekämpfen, ihre Ausbreitung zu verhindern und beschädigtes Gewebe zu reparieren. Insgesamt stellt sie einen komplexen und essenziellen Prozess zur Abwehr und Heilung im Körper dar. Es gibt jedoch auch eine Kehrseite der Medaille – Entzündungen können je nach Verlauf nicht nur von essenziellem Nutzen, sondern auch problematisch für unsere Gesundheit werden.
DIFFERENZIERUNG ENTZÜNDLICHER PROZESSE
Akute Entzündung
Eine akute Abwehrreaktion beginnt mit der Erkennung des Reizes durch das Immunsystem, gefolgt von der Freisetzung chemischer Signale wie Zytokine und Histamin. Diese Signale erweitern Blutgefäße und ziehen Immunzellen an, um Eindringlinge zu bekämpfen und Zelltrümmer zu beseitigen, das Gewebe regeneriert sich. Bei Wunden sorgt die Blutgerinnung für den Verschluss. Gekennzeichnet ist die akute Entzündung durch fünf klassische Hauptsymptome: Rötung, Wärme, Schwellung, Schmerz und eine eingeschränkte Funktion. Schließlich wird idealerweise die Homöostase, das Gleichgewicht im Gewebe wiederhergestellt und die Entzündung klingt ab.
Doch was, wenn es nicht zur gesunden Homöostase kommt?
Chronische Entzündung
Chronische Entzündungen (oft Folge einer akuten Inflammation) zeigen ebenfalls Symptome, wie Schmerzen oder Schwellungen. Sie werden auch als langsame, lang anhaltende Entzündungen bezeichnet, die über Monate bis Jahre andauern können.
Stille Entzündung
Stille Entzündungen sind hingegen oft subtil und bleiben unbemerkt, was sie besonders heimtückisch macht. Sie verlaufen niedriggradig und unterschwellig, meist ohne signifikante Symptome. Diese Art der Entzündung, medizinisch als systemische Entzündung bezeichnet, hält das Immunsystem in einem ständigen Alarmzustand. Diese dauerhafte Überaktivierung kann schließlich mit vielen schwerwiegenden Erkrankungen assoziiert werden.

Chronische und stille Entzündungen nehmen weltweit drastisch zu und betreffen zunehmend auch die jüngere Generation. Ursachen dieser Entwicklung sind auf unseren modernen Lebensstil zurückzuführen, unter anderem auf ungesunde Ernährungsgewohnheiten, chronischen Stress, Schlafmangel, Umweltbelastungen und Bewegungsmangel. Die moderne Ernährung besteht häufig aus stark verarbeiteten Lebensmitteln, die reich an Omega-6-Fettsäuren, Zucker, raffinierten Kohlenhydraten und künstlichen Zusatzstoffen sind. Diese können entzündliche Prozesse im Körper begünstigen und subklinische Entzündungen aufrechterhalten. Gleichzeitig sinkt die Aufnahme von antioxidativen und entzündungshemmenden Nährstoffen wie frischem Obst und Gemüse, gesunden Fetten, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen. Dadurch überwiegen proentzündliche Einflüsse, während Schutzfaktoren fehlen, was das Gleichgewicht im Körper stört.
Laut des Austrian Health Report 2022 leiden knapp 66 % der Bevölkerung ab 15 Jahren (das sind rund 4,9 Mio. Menschen) an mindestens einer chronischen Erkrankung oder einem dauerhaften Gesundheitsproblem. Der Gesundheitszustand verschlechtert sich mit steigendem Alter, wobei Frauen häufiger von chronischen Problemen betroffen sind.
Es gibt eine Vielzahl von Faktoren, die niedriggradige und unterschwellige Entzündungen fördern:

Ungesunde Ernährung
Zucker, raffinierte Kohlenhydrate und Transfette tragen zu stillen Entzündungen bei. Zucker führt zu schnellen Blutzuckerschwankungen und steigert die Insulinproduktion, wodurch Entzündungen gefördert werden. Zudem können in verarbeiteten Lebensmitteln enthaltene Zusatzstoffe und Schadstoffe entzündliche Reaktionen hervorrufen.
- Fördert Entzündungen: z.B. gewisse Getreide, Zucker, Milch, Wurstwaren, Transfettsäuren, industriell verarbeitete Lebensmittel, Alkohol.
- Lindert Entzündungen: z.B. Omega-3-Fettsäuren, Beeren, grünes Blattgemüse, Nüsse, Kurkuma, Ingwer, Knoblauch.
Tipp: Die Wahl der richtigen Fettsäuren ist wesentlich, lesen Sie mehr in unserem Beitrag zu Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren -> Link zu unserem Beitrag
Weizenproteine und Gluten
Aktuelle Studien zeigen, dass nicht nur Gluten, sondern auch bestimmte Weizenproteine wie Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATIs) Immunreaktionen auslösen und stille Entzündungen fördern können. ATIs aktivieren im Darm bestimmte Immunzellen (myeloide Zellen), indem sie an den sogenannten TLR4-Rezeptor binden. Dies löst die Ausschüttung von entzündungsfördernden Botenstoffen aus. Dies könnte erklären, warum viele Menschen, die auf Gluten verzichten, eine Verbesserung ihrer Entzündungssymptome bemerken.
Entzündungslindernde Getreide – Alternative: Nach aktuellen Forschungsergebnissen gilt Einkorn als das einzige Getreide, das kaum bzw. fast keine ATIs enthält. Hafer enthält im Vergleich zu Weizen, Dinkel und Roggen auch nur sehr geringe Mengen.
Tipp: „Lievito Madre“ (ital. Sauerteigstarter) ist seit Jahren in der Foodblogger Szene ein Trend und durchaus mit Berechtigung – die lange Fermentation des Sauerteigs führt dazu, dass ATIs strukturell abgebaut werden. Dieser Prozess wird durch die saure Umgebung und die proteolytischen Enzyme (welche Proteine spalten) ermöglicht.
Viszerales Fett und Übergewicht
Viszerales Fett (Eingeweidefett) ist das stoffwechselaktive Fettgewebe in der Bauchhöhle, das innere Organe umgibt und schützt. Anders als Unterhautfett (Subkutanes Fett) ist es kein passiver Energiespeicher, sondern verhält sich mehr wie ein eigenständiges Organ, das entzündungsfördernde Zytokine wie z.B. TNF-alpha (Tumornekrosefaktor-alpha) produziert. Menschen mit Adipositas sind besonders gefährdet.

Interessant: Laut einer Studie ist das Taille-Hüft-Verhältnis (WHR – Waist-to-Hip-Ratio) einer Person möglicherweise ein besseres Instrument zur Prognose chronischer Gesundheitsprobleme, als der Body-Maß-Index (BMI). Der Grund dafür liegt laut den Forscher: innen darin, dass das Taille-Hüft-Verhältnis den Anteil an Bauchfett, einschließlich des gefährlichen viszeralen Fetts, besser widerspiegelt.
Formel:
Körperumfang in Taillenhöhe (in cm)
Körperumfang in Hüfthöhe (in cm)
Als ungünstig und gesundheitlich bedenklich gelten bei Männern Werte ab 0,90 und bei Frauen ab 0,85.
Unter diesem Link finden sie einen Online-Rechner zur Berechnung ihres WHR und weitere Informationen … z.B. warum Apfel nicht gleich Birne ist.
Bewegungsmangel
Wenig körperliche Betätigung führt dazu, dass unsere Muskeln weniger Myokine ausschütten. Diese kleinen Proteine, die bei Muskelkontraktionen entstehen, spielen eine entscheidende Rolle für unsere Gesundheit. Sie wirken lokal, im umliegenden Gewebe oder über das Blut im gesamten Körper. Zu den bekanntesten gehören Interleukin-6 (IL-6), Interleukin-15 (IL-15) und Irisin. Sie fördern die Regeneration, hemmen Entzündungen und beeinflussen den Fett- und Zuckerstoffwechsel positiv.
Durch Sport ausgelöste Myokine, wie Irisin können zur Umwandlung von weißem Fett (WAT) in beiges (energetisch aktives) Fettgewebe beitragen, was als „Browning“ (Bräunung) bezeichnet wird. Im Gegensatz zu braunem Fett (BAT), das bereits bei der Geburt vorhanden ist, sind beige Zellen anpassungsfähig und können im Erwachsenenalter neu gebildet werden. Braune und beige Fettzellen betreiben sogenannte Thermogenese, sie stellen Energie bereit bzw. verbrennen Kalorien, um die Körpertemperatur aufrecht zu halten. Kälteexposition ist eine sehr effektivste Methode zur Aktivierung von BAT und zur Bräunung von WAT.
Tipp: Sauna und Kneippen nach dem Sport ist ein starkes „Kombipaket“. Es nutzt die Wärme für die Muskelregeneration und den nachfolgenden Kältereiz zur Aktivierung des braunen Fettgewebes, was den Kalorienverbrauch und den Stoffwechsel ankurbelt.
Chronischer Stress
Wer Stress hat, schüttet Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol aus. Diese Ausschüttung führt über längere Zeit zu einem erhöhten Entzündungsrisiko und kann die Gehirnfunktionen schwer beeinträchtigen. Stress macht außerdem die Blut-Hirn-Schranke durchlässig, dadurch können giftige, bzw. für den Körper gefährliche Stoffe ins Gehirn gelangen.
Parasympathikus aktivieren, Stress relativieren
Die 4-7-8-Atmung ist eine strukturierte Atemübung, bei der Einatmen-, Atemhalte- und Ausatmenphase bewusst gezählt werden:
- vier Sekunden einatmen (durch die Nase)
- sieben Sekunden den Atem halten
- acht Sekunden langsam ausatmen (durch den Mund)
Danach wird direkt wieder eingeatmet. In der Regel werden vier Atemzyklen hintereinander durchgeführt, später kann es bis sechs bis acht sein.
Die Wurzeln der Atemübung liegen in yogischen Atemtechniken, den Pranayamas.
Schlafmangel
Schlaf ist ein wesentlicher physiologischer Prozess, der sowohl für die körperliche Regeneration, als auch für die Modulation des Immunsystems entscheidend ist. Der Schlaf-Wach-Rhythmus wird durch das Gegenspiel von Melatonin und Cortisol reguliert, die den 24-Stunden-Zirkadianrhythmus steuern. Bei Dunkelheit steigt der Melatoninspiegel an, was die Ruhe fördert, während am Morgen der Cortisolspiegel ansteigt, um den Körper zu aktivieren. Ein gestörter Rhythmus, beispielsweise durch Stress, kann zu einer erhöhten Cortisolproduktion am Abend führen und die Expression proinflammatorischer Zytokine über Nacht fördern. Dieser Prozess kann das Immunsystem destabilisieren und stille Entzündungen begünstigen.
Forschungsergebnisse der Universität Salzburg bekräftigen, dass kurzwelliges Blaulicht (ca. 450 nm) von Smartphones und Laptops den Schlaf negativ beeinflussen können. Blaulicht dringt ins Auge ein und hemmt die Produktion des Schlafhormons Melatonin in der Zirbeldrüse. Die Studie zeigt zudem, dass Blaulichtfilter (Nachtmodus) am Handy die negativen Auswirkungen nur teilweise abschwächen können. Es ist also nicht smart, mit dem Smartphone ins Bett zu gehen.
Besser: JOMO (Joy of Missing Out) anstatt FOMO (Fear of Missing Out). Genießen Sie ein bewusstes Abschalten (auch des Blaulichts) und greifen Sie zu einem analogen Buch. Ihr Cortisolspiegel wird es auch mögen.
Alter
Chronische, niedriggradige Entzündungen sind so eng mit dem Alterungsprozess verbunden, dass es zur Prägung des Begriffs „Inflammaging“ führte. Dieser beschreibt den häufigen Entzündungszustand bei älteren Menschen, der typisch für das Altern ist. Forschungen haben offengelegt, dass viele Alterskrankheiten wie Atherosklerose, Typ-2-Diabetes, metabolisches Syndrom, Osteoporose und neurodegenerative Erkrankungen wie Demenz mit Entzündungen in Verbindung stehen.
Im Laufe des fortschreitenden Lebens nimmt die Wirksamkeit des Immunsystems ab (Immunseneszenz), was eine reduzierte Anzahl und Funktion der Immunzellen zur Folge hat. Dies führt nicht nur zu einer verzögerten Infektabwehr und längeren Wundheilungszeiten, sondern erschwert auch die Bewältigung chronischer Entzündungen.
Angesichts des demografischen Wandels rückt die Untersuchung von neuroinflammatorischen Prozessen zunehmend in den wissenschaftlichen Fokus. Stille Entzündungen können als wesentlicher Treiber bei der Entstehung und dem Fortschreiten von Amyloid-Plaques im Gehirn, insbesondere auch im Kontext von Alzheimer Erkrankungen agieren.
Ein besonders vielversprechender ergänzender Ansatz in diesem Bereich ist auch die Entwicklung von Biomarkern zur frühzeitigen Alzheimerdiagnostik, die im Blut nachweisbar sind. Solche Tests ermöglichen es, Erkrankungen in einem sehr frühen Stadium zu identifizieren und prophylaktische Maßnahmen und Behandlungen einzuleiten, noch bevor klinische Symptome auftreten. Das Labor Dr. Tiran arbeitet bereits aktiv an der Implementierung solcher Bluttests, die für die medizinische Praxis erhebliche Vorteile bieten – wir halten Sie auf dem Laufenden!
Rauchen
Zigarettenrauch enthält neben Nikotin einen Cocktail aus giftigen und krebserregenden Substanzen wie Arsen, Blei, Kohlenmonoxid, Formaldehyd und Nitrosaminen. Beim Inhalieren gelangen diese in die Lunge, aktivieren Immunzellen und setzen proinflammatorische Zytokine frei. Diese Zytokine verbreiten sich über den Blutkreislauf und können systemische Entzündungsreaktionen im gesamten Körper auslösen.
Ein grafischer Überblick des „Tabak‐ und Nikotinkonsum: Zahlen und Fakten 2024“ – der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) in Auftrag des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz.
© GÖG, Tabak‐ und Nikotinkonsum: Zahlen und Fakten 2024
Der Bericht bietet einen Überblick über die wichtigsten Kennzahlen und Trends im Bereich Tabak- und verwandte Erzeugnisse, sowie sonstige Nikotinerzeugnisse in Österreich.
Die Werte hinsichtlich Rauchverhalten und Sterblichkeit infolge von Lungenkrebserkrankungen der Männer und die entsprechenden Werte der Frauen gleichen sich in den letzten Jahrzehnten einander immer mehr an.
Insgesamt kann hinsichtlich der Entwicklung der Suchtsituation beim Zigarettenkonsum ein positives Bild gezeichnet werden. Der Konsum neuer Produkte wie E-Zigaretten, Tabake zum Erhitzen und Nikotinbeutel nimmt hingegen stetig zu. Insbesondere der Trend zum täglichen Konsum von E-Zigaretten und Nikotinbeuteln durch 15-Jährige ist bedenklich.
Ergänzung: Laut Jugendgesetz ist für Jugendliche in Österreich bis zum vollendeten 18. Lebensjahr der Erwerb, Besitz und Konsum von Tabak- und verwandten Erzeugnissen und von sonstigen Nikotinerzeugnissen, sowie der Erwerb und Besitz aller zu deren Verwendung bestimmten Geräte zur Konsumation (z. B. Wasserpfeifen, Tabakerhitzer) verboten.
Umweltfaktoren
Eine Studie aus dem Jahr 2015 mit 210 gesunden Zwillingen im Alter zwischen 8 und 82 Jahren ergab, dass Umweltfaktoren und nicht die Genetik der größte Auslöser chronischer Entzündungen sind. Die Exposition gegenüber Schadstoffen in der Luft, aggressiven Chemikalien in Lebensmitteln, Körperpflegeprodukten, verschreibungspflichtigen Medikamenten oder Haushaltsreinigern kann zu sogenanntem oxidativen Stress führen und stille Entzündungsprozesse fördern.
Oxidativer Stress tritt auf, wenn unser Körper durch toxische Umwelteinflüsse zu viele freie Radikale bildet. Antioxidantien im Körper neutralisieren normalerweise freie Radikale. Bei oxidativem Stress sind jedoch so viele freie Radikale vorhanden, dass die Antioxidantien nicht ausreichen.
Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an Antioxidantien, sogenannten Polyphenolen, können hier unterstützend wirken. Laut dem Nutrition Journal 2010 zählen einige Lebensmittel zu den Spitzenreitern in Sachen Antioxidantien. Gewürze und Kräuter wie Nelken, Zimt und Oregano enthalten besonders viele dieser schützenden Substanzen. Auch Beeren, insbesondere Heidelbeeren, Himbeeren und Erdbeeren, sind reich an Antioxidantien. Zu den Nüssen mit hohem Gehalt gehören Walnüsse und Pekannüsse. Darüber hinaus sind Obst und Gemüse wie Artischocken, Spinat und Brokkoli besonders hervorzuheben. Auch Getränke wie grüner Tee und Kaffee (schwarz getrunken) können durch ihren hohen Antioxidantiengehalt dazu beitragen, den Körper vor oxidativem Stress zu schützen.
Grundsätzlich empfiehlt es sich, auf ökologische Produkte und schadstoffarme Alternativen in unserem Alltag zu setzen, um die Belastung für den Körper zu verringern.
Tipp: Zur Vermeidung von Giftstoffen beim täglichen Einkauf können Apps, wie z.B. ToxFox oder CodeChecker hilfreich sein.
Mit Bluttests versteckten Entzündungen auf der Spur
Hier finden sie eine Auflistung ausgewählter Laboranalysen zur Detektierung entzündlicher Prozesse im Körper:
- C-reaktives Protein (CRP): Akute-Phase-Protein, das in der Leber produziert wird und dessen Spiegel bei Entzündungen schnell ansteigt. CRP ist ein sensitiver Marker für Entzündungen und wird häufig zur Überwachung von entzündlichen Erkrankungen und Infektionen eingesetzt.
- hs‑CRP (hochsensitives CRP) misst dasselbe Protein mit höherer Empfindlichkeit und erfasst niedriggradige, chronische Entzündungsaktivität. hs‑CRP wird vor allem zur Beurteilung des kardiovaskulären Risikoprofils bei beschwerdefreien Personen eingesetzt; die Interpretation erfolgt immer im Kontext weiterer Risikofaktoren.
- Blutbild (Leukozytenzahl): Deutlich erhöhte Leukozytenwerte sprechen für akute Infekte oder starke Entzündungen. Eine normale Leukozytenzahl schließt jedoch eine niedriggradige, stille Entzündung nicht aus; solche Entzündungen zeigen sich häufig eher in Akut‑Phase‑Parametern wie CRP/hs‑CRP und sollten zur Diagnosestellung mit herangezogen werden.
- Die Blutkörpersenkungsgeschwindigkeit: Die BSG eignet sich gut zur Verlaufsbeobachtung chronischer Entzündungsprozesse. Während der CRP-Wert schneller auf akute Entzündungen reagiert, ist die BSG oft bei chronischen Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen oder gewissen Tumoren aussagekräftiger. Ein erhöhter Wert ist kein Beweis für eine spezifische Erkrankung, sondern nur ein Hinweis darauf, dass das Immunsystem aktiv ist. Eine normale BSG schließt eine Entzündung nicht vollständig aus. Für niedriggradige Entzündungen ist dieser Wert weniger sensitiv, kann aber erhöht sein und zur Verlaufsbeurteilung zusammen mit CRP/hs‑CRP und klinischem Befund eingesetzt werden.
- Fibrinogen: Akute-Phase-Protein, das bei Entzündungsreaktionen vermehrt synthetisiert wird. Es trägt zur Blutgerinnung bei, beeinflusst die BSG und dient als zusätzlicher Marker zur Einschätzung chronischer oder systemischer Entzündungen.
- Bei stillen Entzündungen kann Ferritin aufgrund seiner Rolle als Akut‑Phase‑Protein erhöht sein. Dies kann den Eisenstatus verfälschen, indem Eisenmangel trotz normaler oder hoher Ferritinwerte verdeckt wird. Es ist wichtig, Ferritin mit CRP/hs‑CRP und Transferrinsättigung zu überprüfen, auch um den tatsächlichen Eisenhaushalt festzustellen.
- Die Bestimmung des Vitamin-D-Spiegels kann bei stillen Entzündungen von hoher Relevanz sein, da ein Vitamin-D-Mangel häufig mit erhöhten Entzündungsmarkern im Körper assoziiert ist.
- Eine Blutanalyse der Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren kann Hinweise auf stille Entzündungen geben. Ein unausgewogenes Verhältnis, insbesondere ein Überschuss an Omega-6 im Vergleich zu Omega-3, kann entzündliche Prozesse fördern. Ein ausgewogenes Verhältnis ist wichtig, um Entzündungen zu reduzieren.
FAZIT
Stille Entzündungen, auch bekannt als Silent Inflammation, sind unterschwellige entzündliche Prozesse im Körper, die oft ohne Symptome verlaufen und das Immunsystem in einem permanenten Alarmzustand halten. Diese Art von Entzündungen ist besonders riskant, da sie langfristig zu schweren chronischen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Problemen, Stoffwechselstörungen, Autoimmunerkrankungen und neurodegenerativen Krankheiten führen können. Ausgelöst werden sie häufig durch unvorteilhafte moderne Lebensgewohnheiten, die ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel, Stress und Umweltbelastungen umfassen. Die Ernährung spielt eine Schlüsselrolle: Omega-3-Fettsäuren und Antioxidantien können entzündliche Prozesse reduzieren, während Zucker und verarbeitete Lebensmittel gemieden werden sollten. Regelmäßige Bewegung und effektives Stressmanagement sind ebenso wichtig, wie die Auseinandersetzung mit altersbedingten Entzündungsprozessen („Inflammaging“) und die bewusste Reduzierung von Schadstoffbelastungen im Alltag.
Zusätzlich können Bluttests zur Messung von Entzündungsmarkern helfen, versteckten Entzündungen frühzeitig auf die Spur zu kommen, um rechtzeitige Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
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