Labor Dr. Tiran
JOURNAL
Longevity und Prävention
Die Notwendigkeit von Vorsorgeuntersuchungen für ein langes und gesundes Leben
„Wer heute keine Zeit
für seine Gesundheit hat,
wird später viel für
seine Krankheiten brauchen“
– Sebastian Kneipp
Was steht hinter dem Begriff Longevity?
Longevity bezieht sich auf das Bestreben, ein langes und gleichzeitig gesundes Leben zu führen. Der Begriff leitet sich aus dem lateinischen Wort „longaevitas“ (Langlebigkeit) ab, zusammengesetzt aus longus (lang) und aevum/vita (Zeitalter/Leben).
Es geht nicht nur darum, die Lebenszeit (Lifespan) zu verlängern, sondern auch die gesunde Lebensspanne (Healthspan) zu maximieren und die Lücke zwischen beiden, den Healthspan-Lifespan-Gap, so klein wie möglich zu halten.
Hierzu aktuelle demographische Daten aus Österreich:
- Lebenserwartung:
Frauen erreichen im Durchschnitt 84,32 Jahre, Männer 79,84 Jahre. - Gesunde Lebensjahre:
Frauen leben im Schnitt nur 60,5 Jahre und Männer 60,3 Jahre in guter Gesundheit. - Healthspan-Lifespan-Gap:
Rund 23 Jahre für Frauen und 19 Jahre für Männer.
Diese Statistiken verdeutlichen, dass viele Österreicher:innen einen erheblichen Teil ihres Lebens mit chronischen Krankheiten oder funktionellen Einschränkungen verleben. Österreich liegen hierbei unter dem EU Durchschnitt.
Die Bedeutung von Vorsorgeuntersuchungen
Vorsorgeuntersuchungen sind essenziell für die Gesundheitsförderung und die Vermeidung von ernsthaften und chronischen Erkrankungen. Besonders Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nicht nur maßgeblich für Morbidität und das Auftreten chronischer Erkrankungen, sondern auch für viele Todesfälle verantwortlich. Laut Statistik Austria sind sie die häufigste Todesursache in Österreich: 34,3 % aller Sterbefälle (Stand 2022/2024) sind auf sie zurückzuführen, gefolgt von Krebs.
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen ermöglichen es, Auffälligkeiten frühzeitig zu detektieren und gezielte Maßnahmen zu ergreifen und sind damit ein bewährtes Instrument zur Früherkennung und Erhaltung langer gesunder Jahre.
Wie entstehen Herz-Kreislauf-Erkrankungen?
Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickeln sich schleichend und können über Jahre hinweg unbemerkt bleiben. Der Prozess beginnt häufig mit der stillen Entstehung von Bluthochdruck oder Arteriosklerose.
Bei der Arteriosklerose kommt es zu Ablagerungen in den Arterien, die als „Verkalkungen“ bezeichnet werden. Diese Ablagerungen bestehen aus Lipiden, Entzündungszellen und anderen Substanzen, die die Wände der Blutgefäße schädigen und auch deren Elastizität verringern. Wenn sich diese Ablagerungen vergrößern, können sie dazu führen, dass sich Blutgerinnsel bilden, die die Blutgefäße verstopfen und somit das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erheblich erhöhen.
Eine spezielle Form der Arteriosklerose ist die koronare Herzkrankheit, bei der sich Fette an den Kranzgefäßen des Herzens ablagern. Diese Ablagerungen können die Blutversorgung des Herzmuskels beeinträchtigen, was langfristig zu Herzinsuffizienz und Herzversagen führen kann.

Die „Big Five“ Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Die sogenannten „Big Five“ umfassen jene fünf Risikofaktoren, die das Herz besonders stark belasten:
• Bluthochdruck
• Erhöhte Cholesterinwerte
• Übergewicht
• Rauchen
• Diabetes
Darüber hinaus sind auch Bewegungsmangel und psychosoziale Stressfaktoren eng verbundene und wesentliche Aspekte.
Die gute Nachricht: diese Faktoren können mit einer Optimierung des eigenen Lebensstils und der Anpassung spezifischer Verhaltensweisen proaktiv, wesentlich und hin zu mehr Gesundheit beeinflusst werden.
Doch auch wenn wir durch selbstbestimmte Lebensstilanpassungen bereits wesentliche Schritte setzen können, ist es ergänzend unverzichtbar, regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen zu nutzen.
In diesem Rahmen sind Blutanalysen ein wertvolles Instrument und Frühwarnsystem. Sie können Auffälligkeiten und Risikoprofile bereits lange vor dem Auftreten spürbarer Beschwerden detektieren und damit ein zeitgerechtes Reagieren und Gegensteuern ermöglichen. Dies ist ein zentraler Aspekt der medizinischen Prävention und Früherkennung.
Bluttests als Frühwarnsystem
Die Laborbasisdiagnostik des jährlichen und gesetzlichen Gesundheits-Checks umfasst standardisiert folgende Analysen:
- Cholesterin/HDL zur Kontrolle des Lipidstoffwechsels,
- GGT hinsichtlich eventueller Lebererkrankungen,
- Glukose als Momentaufnahme des Blutzuckerspiegel und
- bei Frauen ergänzend ein rotes Blutbild zum Ausschluss einer möglichen Anämie.
- Harnanalyse zum Ausschluss von Nieren- und Harnwegserkrankungen, Stoffwechselstörungen und Infektionen.
Diese Werte sind für eine Basisdiagnostik wertvoll und relevant. Dennoch gibt es einige weitere aussagekräftige Parameter, die Ihren momentanen Gesundheitszustand hinsichtlich der Funktionalität wichtiger Organsysteme noch besser widerspiegeln, eventuell bestehende Fehlfunktionen aufdecken und somit ein noch gezielteres therapeutisches Eingreifen oder Gegensteuern ermöglichen.
Erweitertes Vorsorgeprofil:
Ihre Unterstützung für ein effektives Gesundheitsmanagement
Unser internes Fachärzteteam hat ein umfassendes und detailliertes Profil wichtiger Präventionsanalysen erstellt und wir freuen uns, es Ihnen als „Erweitertes Vorsorgeprofil“ in einem Gesamtpaket anbieten zu können. Dieses Profil unterstützt Sie in Ihrer persönlichen Gesundheitskompetenz, Ihrem individuellen Gesundheitsmanagement und kann zudem Ihrem behandelnden Arzt eine wertvolle und umfangreiche Grundlage für die Diagnoseerhebung und die Planung möglicher Behandlungsmaßnahmen bieten. Vertrauen Sie unserer langjährigen Erfahrung und Expertise.
Überblick erweitertes Vorsorgeprofil:
Blutbild
Liefert einen Überblick über die Anzahl der einzelnen Blutzellen, welche entweder für den Sauerstofftransport im Blut zuständig oder wesentlicher Bestandteil des Immunsystems sind. Gibt Aufschluss über die Blutbildung und eventuelle Störungen der Blutgerinnung. Es kann auf Entzündungen, Infektionskrankheiten und Mängel, wie zB einer Anämie hindeuten.
CRP (C-reaktives Protein)
Ein wichtiges Protein des Immunsystems, das sich an Mikroorganismen (Bakterien, Pilze, Parasiten) oder Trümmer körpereigener Zellen bindet, die dann durch die Abwehrzellen entfernt werden können. Der wichtigste Blutwert zur Feststellung und Verlaufskontrolle von entzündlichen Prozessen im Körper.
Kreatinin
Ein Abbauprodukt des Kreatin, das ein zentrales Zwischenprodukt im Energiestoffwechsel ist. Erhöhte Werte können ein erster Hinweis auf eine Störung der Nierenfunktion sein.
Harnstoff
Fällt als Endprodukt des Abbaus von Stickstoffverbindungen (z.B. Aminosäuren) an und wird mit dem Harn ausgeschieden. Anhand der Harnstoffwerte kann man auch erkennen wie gut die Nierenfunktion ist.
Harnsäure
Entsteht beim Abbau von Purinen. Bei Gesunden ist der Anfall und der Abbau dieser DNA-Bausteine ausgeglichen. Verschiedene Erkrankungen, bestimmte Ernährungsgewohnheiten, sowie manche Medikamente können dieses Gleichgewicht jedoch stören und damit zu Veränderungen des Harnsäurespiegels führen.
GGT (Gamma-Glutamyl-Transferase)
Das Enzym kommt vor allem in der Leber, wie auch in den Nieren, Gallengängen und im Darm vor. Erhöhte Werte können zum Bespiel bei Leberschädigungen und Störungen des Gallenflusses auftreten.
ALT (Alanin-Aminotransferase)
Auch als GPT bezeichnet, ist ein Leberenzym, das am Eiweißabbau beteiligt ist und somit wichtige Informationen über die Lebergesundheit liefert.
Natrium
Steuert und reguliert den Wasserhaushalt und ist wichtig für die Aufrechterhaltung des Blutdrucks. Wesentlich für die Übermittlung der Nervenimpulse.
Kalium
Ein Mineralstoff, den wir mit der Nahrung aufnehmen müssen. Im Körper löst er sich zu einem positiv geladenen Ion (dem Kation K⁺), das als Elektrolyt seine lebenswichtigen elektrischen Aufgaben erfüllt. Es stabilisiert das zelluläre Ruhepotential, prägt die intra/extrazelluläre pH-Balance, steuert den zellulären Innendruck (Turgor) und stimuliert die Insulin-Sekretion im Pankreas.
Calcium
Reguliert die (Neuro)muskuläre Erregbarkeit, Zellteilung-und Differenzierung. Bestandteil der Elektrolyt-Homöostase und von Knochen und Zähnen. Stabilisiert die zellulären Biomembranen.
Ferritin
Es speichert Eisen in einer biologisch verfügbaren Form und gibt es bei Bedarf wieder frei. Dies ist wichtig für die Produktion von roten Blutkörperchen und für verschiedene Körperfunktionen. Ein erniedrigtes Ferritin ist ein Marker für einen Eisenmangel.
HbA1ac (glykiertes Hämoglobin A1c)
Spiegelt den Blutzuckerspiegel der letzten vier bis sechs Wochen wider und ist wichtig für die Diabetesdiagnose. HbA1c entsteht, wenn Glukose im Blut an Hämoglobin bindet. Je mehr Glukose im Blut vorhanden ist, desto höher ist der HbA1c-Wert.
Cholesterin, Triglyceride, HDL (High-Density Lipoprotein), LDL (Low-Density Lipoprotein)
Cholesterin ist ein wichtiger Bestandteil von Zellmembranen, Steroiden, Gallensäuren und Signalmolekülen.
Triglyceride sind Energiespeicher in Fettzellen und Muskelzellen.
Lipoproteine spielen eine wichtige Rolle als Kofaktoren für lipidverarbeitende Enzyme.
Fettstoffwechselwerte sind essentiell für eine kardiovaskuläre Risikoseinschätzung. Erhöhte LDL-Werte stehen in kausalem Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für Arterienverkalkung (Atherosklerose).
TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon)
Wirkt stimulierend auf die Jodaufnahme, die Produktion der Schilddrüsenhormone, auf das Wachstum der Schilddrüsenzellen und ist ein guter Screeningparameter für eine Erkrankung der Schilddrüse.
LDH (Laktatdehydrogenase)
Die LDH ist ein wichtiges Enzym und kommt in fast allen Geweben des Körpers vor. Besonders hohe Konzentrationen finden sich in Leber, Skelett- und Herzmuskulatur, Nieren und Erythrozyten. Bei Schädigungen in diesen Organen bzw. bei einer Zerstörung der roten Blutkörperchen kann eine erhöhte Aktivität der LDH im Blut gemessen werden
Serumelektrophorese
Bei dieser Untersuchung werden die Eiweiße des Blutes nach Gruppen getrennt und können in ihrer relativen Verteilung Hinweise auf verschiedene Erkrankungen geben.
Mikroalbumin im Urin
Kann als frühes Zeichen einer Nierenschädigung auftreten. Eine vorübergehende Mikroalbuminurie kann aber auch durch starke körperliche Anstrengung, Harnwegsinfekte oder akute fieberhafte Erkrankungen verursacht werden.
FAZIT
Longevity beginnt nicht erst mit 66 Jahren … und strebt nicht nur nach Verlängerung der Lebenszeit, sondern fordert uns auch dazu auf, die Qualität unserer Lebensjahre zu maximieren. Die demografischen Daten Österreichs verdeutlichen, dass wir einen signifikanten Teil unseres Lebens (rund 20 Jahre!) mit chronischen Erkrankungen und funktionellen Einschränkungen verbringen, was die Dringlichkeit von präventiven Maßnahmen unterstreicht.
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind unter anderem ein unverzichtbarer Bestandteil und ein wesentliches Instrument für das Konzept. Sie ermöglichen es uns, versteckte Gesundheitsrisiken frühzeitig zu erkennen und gezielte Schritte zur Erhaltung unseres Wohlbefindens zu setzen. Durch die Analyse spezifischer Laborparameter können wir wertvolle Einblicke in unseren aktuellen Gesundheitszustand gewinnen und mit proaktiven Ansätzen die Kluft zwischen Lebens- und Gesundheitsjahren positiv beeinflussen.
Indem wir Verantwortung für unsere Gesundheit, auch bereits in jungen Jahren übernehmen, legen wir den Grundstein für ein vitales und selbstbestimmtes Leben bis ins hohe Alter.
Quellen:
[1] Statistik Austria, Totesursachen 2024, Internet: https://www.statistik.at/statistiken/bevoelkerung-und-soziales/bevoelkerung/gestorbene/todesursachen (Zugriff 12.12.2025)
[2] Eurostat, Healthy life years statistics, Internet: https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php?title=Healthy_life_years_statistics (Zugriff 12.12.2025)
[3] Deutsche Herzstiftung, Schutz vor Herzinfarkt: Jetzt gegen „Big Five“-Risikofaktoren aktiv werden, Internet: https://herzstiftung.de/service-und-aktuelles/presse/pressemitteilungen/weltherztag-big-five (Zugriff: 13.12.202)
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